Veranstaltungsreihe des BMFSFJ zum Achten Altersbericht

Um die zentralen Themen, Empfehlungen und Erkenntnisse im Achten Altersbericht bekannt zu machen und in die öffentliche Diskussion zu bringen, veranstaltet das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) eine Veranstaltungsreihe zum Achten Altersbericht. In 2020 haben zwei Veranstaltungen aus der Reihe schon stattgefunden (siehe unten), für 2021 sind weitere fünf Veranstaltungen geplant. Sobald die Planungen weiter fortgeschritten sind, werden diese kommenden Veranstaltungen hier angekündigt.

Im Rahmen der einzelnen Veranstaltungen wurden und werden viele Fragen zu den Themen des Achten Altersberichts gestellt. Antworten auf häufig gestellte Fragen finden Sie hier:

Fragen und Antworten


Die folgenden Veranstaltungen finden statt:

Smart wohnen

Online-Veranstaltung am 17. Februar 2021

In der Online-Veranstaltung „Smart wohnen“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) am 17. Februar 2021 von 10.00 bis 11.30 Uhr wurde aufgezeigt, wie digitale Assistenzsysteme in der Wohnung den Alltag erleichtern können und wie diese Technik für ältere Menschen zugänglich gemacht werden kann. Die Bundesseniorenministerin Franziska Giffey hat mit Bürger*innen über deren Technikerfahrungen gesprochen. Auch Expert*innen aus Kommunen, der Wohnungswirtschaft und der Wissenschaft kamen zu Wort. Die Diskussion wurde live auf YouTube übertragen und ist auch weiterhin über folgendem Link zu sehen:

Folgende Veranstaltungen sind geplant:

28. April 2021 Digitale Kompetenzen älterer Menschen
08. Juni 2021 Digitalisierung im Quartier
07. September 2021 Digitale Technologien in der Pflege
24. November 2021 Veranstaltung zum Achten Altersbericht auf dem 13. Deutschen Seniorentag


Weitere Informationen folgen.

Die folgenden Veranstaltungen haben schon stattgefunden:

Digitale Technologien als Chance für ältere Menschen in der Covid19-Pandemie!?

Am 2. Dezember 2020 von 10.00 Uhr bis 11.30 Uhr diskutierten Mitglieder der Altersberichtskommission zusammen mit Dagmar Hirche (Wege aus der Einsamkeit e.V.) und Janina Stiel (BAGSO) über den Beitrag digitaler Technologien für das Leben älterer Menschen in der Covid19-Pandemie. Dies war die zweite Veranstaltung in der Online-Veranstaltungsreihe des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) zum Achten Altersbericht. Hier können Sie sich in einem kurzen Video wichtige Ausschnitte aus der Veranstaltung noch einmal ansehen.

Auftaktveranstaltung zum Achten Altersbericht

Zum Auftakt einer Veranstaltungsreihe des BMFSFJ zum Achten Altersbericht diskutierten am 5. November 2020 Mitglieder der Sachverständigenkommission und ein Vertreter der Seniorenabteilung des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) Fragen zum Achten Altersbericht. Bundesseniorenministerin Franziska Giffey eröffnete die Veranstaltung mit einem Grußwort. Hier finden Sie einen Zusammenschnitt der Veranstaltung. Zur Langfassung klicken Sie bitte hier: Video.


Fragen und Antworten

Werden neue Mehrgenerationenhäuser gefördert?

Am 1. Januar 2021 startet das neue Bundesprogramm Mehrgenerationenhaus. Miteinander – Füreinander, in dem auf Antrag alle im laufenden Bundesprogramm Mehrgenerationenhaus (2017-2020) geförderte Häuser (derzeit 534) weitergefördert werden. Für die Aufnahme zusätzlicher Häuser stehen bis auf Weiteres keine zusätzlichen Mittel im Bundeshaushalt zur Verfügung. Die Förderrichtlinie für das Bundesprogramm Mehrgenerationenhaus. Miteinander – Füreinander (2021-2028) finden Sie unter: https://www.mehrgenerationenhaeuser.de/fileadmin/Daten/Docs/aktuelles/MGH_Foerderrichtlinie_ab2021_BF_01.pdf

Förderung ist für eine Teilhabe „älterer Menschen“ im Sinne der Gleichheit für alle immens wichtig. Welche Fördergelder gibt es seitens des Bundes (außer MGH), um eine Anlaufstelle zu initiieren?

Aufgrund der Kompetenzverteilung des Grundgesetzes zwischen Bund, Ländern und Kommunen ist eine Förderung lokaler Einrichtungen in der Regel nur in bundesweit überregional angelegten größeren (Modell-)Programmen möglich. Die neu errichtete Deutsche Stiftung für Ehrenamt und Engagement in Neustrelitz – ins Leben gerufen durch das Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat, das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft und das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend – wird zukünftig Förderprogramme auflegen, auch mit einem Schwerpunkt Digitalisierung.

Wann erhalten Bildungsträger wie Volkshochschulen finanzielle Unterstützung, um Bildungsangebote zur Entwicklung digitaler Kompetenzen für ältere Menschen vor Ort anzubieten?

Das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte VHS Lernportal steht allen VHS zur Verfügung und bietet z. B. auch einen Grundkurs zur Handynutzung an. Für die finanzielle Unterstützung der VHS vor Ort sind die Kommunen und Länder verantwortlich.

Gibt es Förderprogramme seitens des BMFSFJ zur Entwicklung von niederschwelligen Digitalangeboten für Senioren?

Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend fördert die Servicestelle „Digitalisierung und Bildung für ältere Menschen“ und die dort ansässige Datenbank www.wissensdurstig.de. Über wissensdurstig.de können lokale Angebote abgefragt werden. Die Digitalen Engel touren – aktuell aufgrund der Pandemie-Situation tatsächlich digital - durch Deutschland und kooperieren vor Ort mit bestehenden Strukturen und Einrichtungen der Seniorenarbeit, z. B. Seniorenbüros, den Standorten im Projekt „Demografiewerkstatt Kommunen“ oder den Mehrgenerationenhäusern. Im Herbst stehen Stationen in Thüringen und Nordrhein-Westfalen auf dem Programm, weitere folgen in Kürze. Über aktuelle Stationen der Deutschlandtour sowie Hinweise rund um das sichere Surfen im Internet für Einsteiger:innen informiert die Website des Projekts.

Unterstützen Sie auch das Projekt Digitalbotschafterinnen/Digitalbotschafter von Rheinland-Pfalz? Diese arbeiten sehr nah an der Zielgruppe. Warum greift der Bund nicht solche Projekte auf und gibt niederschwellige Förderung?

Die ehrenamtlichen Digital-Botschafterinnen und -Botschafter in Rheinland-Pfalz sind ein gutes Beispiel für gelingende niedrigschwellige Beratung. Rheinland-Pfalz fördert hier im Rahmen seiner landesweiten Digitalisierungsstrategie. Bund und Länder sind aufgrund der verfassungsrechtlichen Zuständigkeiten in ihrer jeweiligen Förderpraxis unterschiedlich aufgestellt. Der Bund kann lokale Projekte in der Regel nur in bundesweit überregional angelegten größeren (Modell-)Programmen fördern. Hier erfolgt die Finanzierung durch das Land im Rahmen seiner Zuständigkeit.

Wer übernimmt die Kosten? Kann die Kostenübernahme von digitalen Unterstützungssystemen und Hilfen über die Pflegehilfsmittelverordnung erfolgen?

Welche Pflegehilfsmittel von der Pflegeversicherung erstattet werden, kann im aktuellen Pflegehilfsmittelkatalog recherchiert werden. Einen Online-Ratgeber Pflege des Bundesministeriums für Gesundheit finden Sie ebenfalls im Internet. Bis 2022 soll im Rahmen der Nationalen Demenzstrategie das Hilfsmittelverzeichnis der gesetzlichen Krankenkassen angepasst werden. Welche Leistungen im Rahmen der gesetzlichen Krankenversicherung erstattet werden, wird durch den Gemeinsamen Bundesausschuss entschieden.

Kann ein Internetanschluss im Rahmen der Grundsicherung finanziert werden?

Die durchschnittlichen Verbrauchsausgaben für die Anschaffung von Computern einschließlich Tablets und erforderlicher Software sowie für die Nutzung des Internets in Form von Flatrates für das Festnetz werden bereits seit dem Jahr 2011 in vollem Umfang als regelbedarfsrelevant berücksichtigt. Durch den aktuell vorliegenden Gesetzentwurf werden künftig auch die Gebühren für Mobilfunk und damit auch die Kosten des mobilen Internetzugangs in voller Höhe als regelbedarfsrelevant anerkannt. Der Bundesrat hatte hierzu zusätzlich die Einführung einer darlehensbasierten Finanzierung vorgeschlagen, wie sie bei unabweisbarem Bedarf für sogenannte Weiße Ware wie Kühlschränke oder Waschmaschinen möglich ist.

Qualitätsstandards für neue Anbieter und Produkte (für Smart Home) wären sinnvoll? Wird hier etwas entwickelt?

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) unterstützt Initiativen in diesem Bereich. Seit 2017 fördert das BMWi eine Geschäftsstelle „Smart Living“, deren Aufgabe es u.a. ist, die Umsetzung der Wirtschaftsinitiative „Smart Living“ zu unterstützen. Ziel der Wirtschaftsinitiative ist das gemeinsame Vorgehen aller deutschen Unternehmen, um zukunftsfähige Marktstrategien zu entwickeln. Eine Aufgabe hierbei ist auch die Etablierung einheitlicher Qualitäts- und Sicherheitsstandards.

Verbraucher*innen, die sich zu Smart-Living-Anwendungen beraten lassen möchten, haben über die Teilnehmer*innen der Wirtschaftsinitiative die Möglichkeit, einen qualifizierten Fachbetrieb in ihrer Nähe zu finden.

Gibt es schon Beispiele dafür, wie insbesondere alte Menschen in eher konservativen ländlichen Regionen mit dieser Thematik erreicht werden können?

Eines der Förderziele der Servicestelle Digitalisierung und Bildung für ältere Menschen der BAGSO  ist es, neben einer möglichst niedrigschwelligen Ansprache bisher schwer zu erreichender Zielgruppen, ein Augenmerk konsequent auf den ländlichen Raum zu legen, z. B. in Leuchtturmprojekten wie Bersenbrück, Fürth, Moers, Neu Schloen, Ebersburg, Höhr-Grenzhausen, Langbernsdorf, Lünen, Lingen, Anger, Burgdorf, Norden, Utting, Erding, Torgelow, Bocholt, Celle, Memmingen, Idstein, Schorndorf, Illingen.

Dazugehörige Antwort im Chat: Eine wichtige Fragestellung! Das Promotionsprogramm der Uni Vechta wird sich u. a. der Untersuchung dieser Thematik widmen: https://www.uni-vechta.de/einrichtungen-von-a-z/ispa/forschung/promotionsprogramm-digitale-lebenswelten/

Wie werden abgehängte Menschen (z.B. mit wenig Einkommen, Migrationshintergrund, bildungsfern) erreicht?

Der Digitale Engel führt gemeinsam mit unterschiedlichsten Seniorenorganisationen, die häufig über die Wohlfahrt organisiert sind, Veranstaltungen für unterschiedlichste Gruppen durch, z.B. reine Frauen-gruppen, Menschen, die Deutsch als Fremdsprache sprechen o.a.

Das Infomobil der Digitalen Engel zieht auch bei öffentlichen Stationen, wie z.B. auf dem Rathausplatz oder dem Wochenmarkt Aufmerksamkeit auf sich. Ausgestattet mit Technik zum Ausprobieren, einem großen Infoscreen und mit interaktiven Spielen, lädt das mobile Ratgeberteam am Infomobil zum Gespräch, Ausprobieren und Informieren ein. Damit erreicht der Digitale Engel auch die Personen, die (noch) nicht in Seniorentreffs organisiert sind. Zudem werden Familienangehörige, Freunde etc. angesprochen, die sich im Umfeld dieser speziellen Zielgruppen befinden und sie auf digitale Alltagschancen in deren Leben aufmerksam machen.

Die rund 530 Häuser  im Rahmen des Bundesprogramms Mehrgenerationenhaus. Miteinander – Füreinander (2021-2028) verfolgen u. a. das Ziel, mithilfe bedarfsgerechter und niedrigschwelliger Angebote möglichst viele Menschen an den technischen und digitalen Fortschritt heranzuführen und sie zu befähigen, die Möglichkeiten moderner Technik und digitaler Medien bestmöglich zu nutzen. Insbesondere älteren Menschen soll so zu mehr Teilhabe verholfen werden, damit sie möglichst lange aktiv und selbständig bleiben können. Die Förderung digitaler Kompetenzen (gerade älterer Menschen) stellt daher ein wichtiges Handlungsfeld der Mehrgenerationenhäuser (MGH) dar.

Das Internetportal Wissensdurstig.de der Servicestelle „Digitalisierung und Bildung für ältere Menschen“ der Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen e.V. – BAGSO bietet seit 2018 eine bundesweite Ansprechstelle bei Fragen zur Förderung von Lernen und Bildung im Alter sowie speziell zu Bildung. Die bereitgestellten Informationen, u.a. auch im Kontext von Digitalisierung, stehen Multiplikatorinnen und Multiplikatoren, aber auch Menschen mit Migrationshintergrund kostenfrei zur Verfügung. Einschlägige Broschüren und Flyer, z.B. “Neugierig bleiben” und den “Wegweiser durch die digitale Welt” können ebenfalls kostenfrei angefordert werden.

Männer und Frauen haben vermutlich unterschiedliche biographische Erfahrungen und Nähe zu digitalen „Produkten“, welche Ansätze gibt es da zu berücksichtigen?

Dazugehörige Antwort im Chat: Das Thema „Alter, Geschlecht und Digitalisierung“ wird in der Expertise „Digitale Teilhabe und (digitale) Exklusion im Alter“ für den Achten Altersbericht berücksichtigt. Alle Expertisen zum Achten Altersbericht sind hier verfügbar: https://www.achter-altersbericht.de/expertisen

Gibt es nicht Wege des WLAN-Sharing für Menschen die sich kein WLAN leisten können? Wie kommt die Digitalisierung in den Altenheimen voran? Was gibt es für konkrete Lösungen?

Es gibt gute Beispiele in den Ländern: Hessen hat z. B. 10.000 Tablets an hessische Pflegeheime im Rahmen eines Corona-Hilfsprogramms der Landesregierung verteilen lassen. Künftig soll dort ein Gerät pro sechs bis acht Bewohner:innen in den Einrichtungen zur Verfügung stehen. Solange es vor Ort kontinuierlich Unterstützung durch Ehrenamtliche, Jugendliche oder Familienmitglieder bei der Bedienung gibt, ist das ein sehr erfolgversprechender Ansatz.

Ein weiteres Beispiel ist das „Digitale Care Paket“, welches die Stiftung Digitale Chancen und Telefónica Deutschland zum Digitaltag 2020 geschnürt haben. Hierbei werden Tablet-PCs und Senioren-Handys/Smartphones an Einrichtungen für Senior:innen kostenfrei ausgeliehen. Die Geräte sind an die Bedürfnisse älterer Einsteiger:innen angepasst und verfügen über eine mobile Internetanbindung von O2, die ebenso kostenfrei nutzbar ist. Die Stiftung Digitale Chancen unterstützt verschiedene Maßnahmen, um ältere Menschen bei Erwerb digitaler Kompetenzen zu unterstützen.

Frage zum Beitrag digitaler Technologien in der Versorgung vulnerabler Personengruppen (z. B. dementiell erkrankte ältere Menschen oder Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen)

Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen können im Alltag durch verschiedene digitale Anwendungen unterstützt werden. Wichtig ist: Digitale Anwendungen sind immer nur Hilfsmittel, sie müssen vor allem im sozialen Kontext eingesetzt werden, die Angehörigen müssen geschult oder begleitet werden. Nutzungsfreundlichkeit und eine leichte Bedienung stehen an erster Stelle. Wichtig ist auch, dass das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt.

Zentral sind Beratung und die passgenaue Anwendung der digitalen Hilfssysteme. Mit Blick darauf, ein längeres Wohnen zu Haus zu ermöglichen, können auch die Wohnberatungsstellen der Länder unterstützen. Sie sollen im Rahmen der Nationalen Demenzstrategie ihre Angebote bis 2024 auch speziell zu Demenz ausweiten.

Gibt es Erkenntnisse im Zusammenhang mit Demenz innerhalb der Corona-Pandemie? Wie geht es vor allem dieser Personengruppe?

Zu den Auswirkungen auf Menschen mit Demenz siehe z.B. die Ausführungen der Deutschen Alzheimer Gesellschaft, Informationen zur Nationalen Demenzstrategie und Lokale Allianzen für Demen unter https://www.wegweiser-demenz.de/

Frage zu sozialer Ungleichheit und digitaler Spaltung (Was braucht es? Was empfiehlt die Kommission?)

Die Kommission hat dem Thema der sozialen Ungleichheit in Ihrem Bericht besondere Beachtung geschenkt. Ganz wesentlich ist dabei die Feststellung, dass nicht alle Älteren in gleichem Maße Zugang zu digitalen Tech­nologien haben („digitale Spaltung“). Ein nicht tolerierbarer Anteil älterer Menschen hat keinen oder nur einge­schränkten Zugang zu digitalen Technologien. Dies betrifft vor allem Ältere mit einer niedrigen formalen Bildung, die in ihrem Leben wenig mit Technik in Berührung gekommen sind. Ältere Menschen mit hoher Bildung und gutem Einkommen nutzen sehr viel häufiger digitale Technologien und können daraus auch einen größeren Nutzen für sich ziehen. Neben Ungleichheiten infolge von Einkommens- und Bildungsunterschieden im Alter er­schweren infrastrukturelle Unterschiede zwischen städtischen und ländlichen Regionen sowie zwischen Bundes­ländern die Verbreitung und Nutzung digitaler Technologien. Die Kommission leitet aus ihrem Bericht hierzu folgende Empfehlung ab:

"Zugang und Nutzung von digitalen Technologien für alle ermöglichen: Der Zugang zu und die Nutzung von digitalen Angeboten sind innerhalb der Gruppe der älteren Menschen je nach Bildungsstand und Einkommen ungleich verteilt – deutlich ungleicher als zwischen jüngeren Menschen. Die Sachverständigenkommission fordert die Bundesregierung auf, sicherzustellen, dass alle Menschen auf den Weg in die Digitalisierung mitgenommen werden und ihnen die Möglichkeit gegeben wird, an den Chancen der Digi­talisierung zu partizipieren. Aus diesem Grunde empfiehlt die Sachverständigenkommission, dafür Sorge zu tra­gen, dass in allen Wohnformen älterer Menschen Internetzugänge bereitstehen und genutzt werden können (Pri­vatwohnungen, Betreutes Wohnen, Bewohnerzimmer in der stationären Versorgung). Weiterhin sollten Bund, Länder und Kommunen die Rahmenbedingungen dafür schaffen, dass das Internet im öffentlichen Raum und in öffentlichen Einrichtungen (z. B. Rathäusern und Bahnhöfen, in den Stadtteilen, Quartieren und Dörfern, in Ver­kehrsmitteln) flächendeckend und kostenfrei genutzt werden kann. Für ältere Menschen, die ein geringes Ein­kommen haben oder Grundsicherung im Alter erhalten, sollte die Nutzung des Internets zu Hause und ebenfalls die Anschaffung von digitaler Technik, die zur Erhaltung beziehungsweise Ermöglichung von Autonomie und Teilhabe bei­trägt, über sozialrechtliche Hilfe im SGB XII gefördert werden."

Wie kann sichergestellt werden, dass die älteren Menschen nicht mit der Technik und der Anwendung allein gelassen werden? Gibt es kompetentes Personal, das die älteren Menschen weiter begleitet? Und wie können gerade unter Corona-Bedingungen how-to-use Angebote durchgeführt werden? Mit digitalen Schulungen?

Die Servicestelle Digitalisierung und Bildung für älter Menschen bei der BAGSO schult u. a. Multiplikator:innen im Ehrenamtsbereich. Auf der Seite der Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenbüros BaS finden sich einschlägige Anlaufstellen unter dem Stichwort „Sprechstunde Internet“. Schon vor der Pandemie-Situation erfolgreich ausprobiert wurde E-Learning für SeniorInnen - eLSe, z. B. über verschiedene Mehrgenerationenhäuser. Der Digitale Engel setzt seine Tour seit November 2020 online fort. Informationen und weitergehende Einstiegstipps rund ums Digitale hält die Erklärvideo-Reihe „Digitaler Engel TV“ bereit unter www.digitaler-engel.org. Informationen zur Unterstützung bei der Durchführung und Teilnahme an digitalen Veranstaltungen unter www.digitaler-engel.org/kontakt.

Gibt es Fördermöglichkeiten zum Aufbau von digitalen Bildungsangeboten (z.B. Fortbildungsangebote für Ehrenamtliche)?

Es gibt - wie bereits in der vorherigen Frage beschrieben - kostenfreie Multiplikator*innenschulungen der Servicestelle Digitalisierung und Bildung für ältere Menschen bei der BAGSO. Siehe außerdem die "Fragen und Antworten zu den Themen Förderung und Finanzierung".

Wie kann man die Menschen ohne Internetanschluss überhaupt motivieren? Wie kann man Offliner erreichen? Mit welcher Methode sollen Vorbehalte Älterer gegenüber der Technik, z. B. aufgrund der Datenspeicherung, abgebaut werden?

Offliner erreicht der Digitale Engel über das öffentliche Format und die persönliche Ansprache. Finden sich ältere Menschen in den Alltagsfragen und praktischen Beispielen zur sinnvollen Nutzung digitaler Angebote wieder, ist es einfacher, sie zum Einstieg ins Internet zu motivieren. Daher setzt der Digitale Engel auf die individuelle Ansprache und das Aufzeigen von Mehrwerten von Digitalisierung im Alltag.

Neben den Mehrgenerationenhäusern und dem Digitalen Engel, informiert das BMFSFJ mit der Broschüre „Nie zu alt für´s Internet“, welchen Nutzen das Internet für ältere Menschen bieten kann und gibt praktische Tipps und Hinweise, wie der Einstieg ins Internet sicher gelingen kann. Die Broschüre richtet sich gerade an diejenigen, die vielleicht skeptisch sind und für sich noch keinen Mehrwert in der Nutzung der Internetdienste gefunden haben. Sie ist auch in leichter Sprache aufgelegt worden.

Wer vermittelt Grundkenntnisse der Digitalisierung? Sind auch intergenerative Konzepte erfolgreich?

Der Digitale Engel vermittelt niedrigschwellig Mehrwerte digitaler Angebote und zeigt im individuellen Austausch Vorteile ihrer Nutzung im Alltag älterer Menschen auf. Zudem stärkt er lokale Strukturen der Seniorenorganisationen durch passgenaue Bildungsangebote (vor Ort) und verweist auf regionale und überregionale Anbieter, die zielgruppengerecht und dauerhaft Grundkenntnisse der Digitalisierung vermitteln. Dabei wird auch auf intergenerative Projekte verwiesen (Weitere Informationen unter www.digitaler-engel.org) .

Der Digital-Kompass stellt kostenfreie Angebote für Senioren rund um Internet und Co. bereit. Bis Mitte 2021 entstehen deutschlandweit 100 Standorte, an denen Internetlotsen ältere Menschen dabei unterstützen, digitale Angebote selber auszuprobieren. Der Digital-Kompass ist ein Treffpunkt für persönlichen Austausch, für Schulungen vor Ort und online und um Materialien zu erhalten. Der Digital-Kompass ist ein Projekt der Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen (BAGSO) und Deutschland sicher im Netz e.V. in Partnerschaft mit der Verbraucher Initiative mit Förderung des Bundesministeriums der Justiz und für Verbraucherschutz (BMJV). Übersicht über die Standorte: https://www.digital-kompass.de/standorte.

Die BAGSO hat über 400 Senioren-Internet-Initiativen deutschlandweit recherchiert, die auf www.wissensdurstig.de unter „Veranstalter“ zu finden sind. In 2021 werden sie offensiver der Öffentlichkeit zugänglich gemacht (Datenschutz). Teilweise sind diese identisch mit Digital-Kompass Standorten.

Zu nennen sind natürlich auch die Bildungsprojekte für Ehrenamtliche der Bundesländer Hessen, Rheinland-Pfalz (Digitalbotschafter), NRW (Forum Seniorenarbeit), Baden-Württemberg (Medien-mentoren, Senioren-Internet-Initiativen) und dem Saarland (Onlinerland Saar), die hier seit Jahren gute Arbeit in der Bildung für Multiplikator:innen und dann auch die Nutzer:innen leisten.

Ist eine zentrale kommunale Beratungsstelle für alle digitalen Belange für Ältere sinnvoll? Wie gelingt Finanzierung und Organisation?

Die BAGSO-Servicestelle „Digitalisierung und Bildung für älter Menschen“ hat mit wissensdurstig.de eine zentrale Informationsplattform entwickelt, die sowohl für ältere Menschen als auch für Multiplikatoren Informationen zu den Themenbereichen Bildung und Digitalisierung anbietet. Die Servicestelle versteht sich als bundesweite Koordinierungsstelle im Handlungsfeld (Bildung im und für das Alter und Digitalisierung), die bundesweit als Netzwerkknoten fungiert. Mit wissensdurstig.de steht eine Aktions-, Beratungs- und eine Informationsplattform sowie eine Datenbank zu Forschungsprojekten und -ergebnissen offen zur Verfügung. Darüber hinaus geben gute Praxisbeispiele Anregungen, wie Bildung und Digitalisierung für und mit älteren Menschen gelingen kann.  Damit kann der Wissenstransfer in und aus der Praxis und Fachöffentlichkeit aktiviert und weiterentwickelt werden. Die Beratungs- und Qualifizierungsangebot zu „Bildung im Alter“ (Geragogik) stehen auch für interessierte Kommunen und Träger bereit.

Der Digitale Engel weist im Rahmen jeder Station auf vorhandene kommunale Angebote und Ansprechpartner hin.

Von welchen Bildungserfahrungen und ‑gewohnheiten Älterer kann man ausgehen? Wie können wir die Technikerfahrungen der heute Älteren in der Nachkriegszeit (Foto, Film, Radio, Fernsehen u. a.) bei der Digitalisierung einbeziehen?

Die Expertise von Renate Schramek und Janina Stiel „Förderung von Technik- und Medienkompetenz älterer Menschen aus der Perspektive der Geragogik“, die im Rahmen der Erstellung des Achten Altersberichts in Auftrag gegeben wurde, gibt Antworten auf diese Frage. Die Expertise befasst sich mit den Fragen: „Wie kann Techniklernen jenseits der Lebensmitte und im Alter gelingen?“ und „Wie können Kompetenzen zur Nutzung digitaler Technologien stetig erweitert werden?“ Alle Expertisen zum Achten Altersbericht sind hier verfügbar: https://www.achter-altersbericht.de/expertisen

Wo erhalten Betroffene Informationen zu digitalen Lösungen im Wohnbereich und werden diese mehrsprachig angeboten?

Es existieren zahlreiche Beratungsangebote für Betroffene. Beispielsweise bietet der Kommunale Seniorenservice (KSH) der Stadt Hannover individuelle Beratung zu technisch-unterstütztem Wohnen an. Eine Übersicht über die verschiedenen Produkte und Möglichkeiten bietet auch deren Handbuch „Wohnen mit technischer Unterstützung – Geräte, Einsatzfelder und Kosten“. Dieses wird, wie die Beratung, mehrsprachig und kostenlos angeboten. Gefördert wird dies vom Bundesministerium für Bildung und Forschung.

Welches natürliche Interesse haben Unternehmen, für digitale Aufklärung zu sorgen?

Anbieter von Hardware haben naturgemäß Interesse, die große Käufergruppe der Senior:innen zu erschließen, aber auch die Wohnungswirtschaft hat Interesse, technikunterstütztes Wohnen für Ältere attraktiv zu machen, um langjährige Mietbeziehungen auch weiter zu pflegen.

Wer bestimmt den Nutzen digitaler Anwendungen?

Die Kommission hat im Achten Altersbericht für sechs Lebensbereiche (Wohnen, Mobilität, Soziale Integration, Gesundheit, Pflege und Quartiersentwicklung) wissenschaftliche Studien ausgewertet und die Erkenntnisse zu Verbreitung, Nutzung und Wirkung von digitalen Technologien zusammengetragen. Die Bestandsaufnahme zeigt, dass die Verbreitung und Akzeptanz digitaler Technologien in den betrachteten Lebensbereichen älterer Menschen zwar recht unterschiedlich sind, insgesamt aber auf einem eher niedrigen Niveau liegen. In dem Überblick wird auch deutlich, dass die Befundlage über die Wirkungen digitaler Technologien im Leben älterer Menschen häufig unklar ist: Es gibt bislang deutlich zu wenig wissenschaftliche Studien, um auf solider Grundlage die Wirkungen digitaler Technologien im Leben älterer Menschen einschätzen zu können (siehe Kapitel 3 des Berichts).

Die Kommission stellt im Bericht ebenfalls heraus, dass viele Technologien an den Bedürfnissen älterer Menschen und deren Bezugspersonen vorbeigehen, die Nutzer:innen überfordern, negative Altersbilder verstärken, die Gefahr des Datenmissbrauchs erhöhen oder ethische Dilemmata aufwerfen. Die Kommission ist der Ansicht, dass diese Risiken minimiert werden können, wenn ältere Menschen bereits frühzeitig in die Erforschung und Entwicklung neuer digitaler Technologien einbezogen werden. Eine konsequente Orientierung an den Nutzer:innen bei der Entwicklung digitaler Technologien und deren Beteiligung am Entwick­lungsprozess erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass die entstehenden Produkte bedarfsgerecht, bedienfreundlich und sicher sind (siehe Kapitel 6 des Berichts).

Wie hat sich die Pandemie auf ambulant gepflegte Menschen ausgewirkt?

Erkenntnisse zur Situation in der häuslichen Pflege liefern z.B. Studien des Zentrums für Qualität in der Pflege (ZQP) oder auch des SOCIUM Forschungszentrums Ungleichheit und Sozialpolitik und Institut für Public Health und Pflegeforschung (IPP) der Universität Bremen in Kooperation mit der DAK Gesundheit und dem Verein wir pflegen e. V. unter https://www.socium.uni-bremen.de/uploads/Schnellbericht_Befragung_pflegender_Angehoriger_-_print.pdf. Zur veränderten Situation und den Gesundheitsrisiken der informell Unterstützungs- und Pflegeleistenden in Zeiten der Pandemie hat das Deutsche Zentrum für Altersfragen (DZA) ein DZA Aktuell herausgegeben.

Gibt es einen Anspruch auf digitale Unterstützung von Pflegebedürftigen zu Hause?

Das Bundesministerium für Gesundheit hat einen Entwurf für ein Gesetz zur digitalen Modernisierung von Versorgung und Pflege (Digitale Versorgung und Pflege - Modernisierungs-Gesetz – DVPMG) vorgelegt, aus dem hervorgeht, dass zukünftig in der Pflegeversicherung beispielsweise Apps und digitale Anwendungen übernommen werden sollen. Das Gesetz soll voraussichtlich Mitte 2021 in Kraft treten.

Wie werden Pflege- und Betreuungskräfte auf die digitale Entwicklung vorbereitet?

Die Digitalisierung hat auch in die Inhalte der neuen Pflegeausbildungen Eingang gefunden. Die Fachkommission nach § 53 PflBG hat bei der Erstellung der Rahmenlehr- und -ausbildungspläne digitale Kompetenzen entsprechend ihrer Bedeutung als Querschnittsthema durchgängig berücksichtigt. In den curricularen Einheiten der Rahmenlehrpläne einerseits und in den Empfehlungen für die Gestaltung der praktischen Ausbildung andererseits wurden sie in den typischen Situationen, die den curricularen Einheiten zugrunde gelegt wurden, sowie in den auf Pflege- und Berufssituationen ausgerichteten Arbeits- und Lernaufgaben der Rahmenausbildungspläne spezifisch fokussiert und konkretisiert.

Beispielsweise thematisiert die curriculare Einheit 02 des Rahmenlehrplans – Zu pflegende Menschen in der Bewegung und Selbstversorgung unterstützen – die digitalen Kompetenzen in Bezug auf die Pflegedokumentation sowie auf Messinstrumente und digitale Hilfsmittel zur Unterstützung bei der Bewegungsförderung und beim Positionswechsel und Transfer.

Mit dem Pflegepersonal-Stärkungsgesetz unterstützt die Bundesregierung Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen finanziell bei der Einführung digitaler Technik. So wurde in § 8 SGB XI ein Abs. 8 zur Förderung der Digitalisierung in stationären und ambulanten Pflegeeinrichtungen eingefügt. In den Jahren 2019–2021 (Fördervolumen ca. 300 Mio Euro) können damit Pflegeeinrichtungen einen einmaligen Zuschuss zur Anschaffung von Hard- und Software sowie zur Finanzierung entsprechender Aus-, Fort- und Weiterbildung für das Pflegepersonal erhalten.