Zur kontinuierlichen Unterstützung altenpolitischer Entscheidungsprozesse hat der Deutsche Bundestag die Bundesregierung 1994 aufgefordert, in jeder Legislaturperiode einen Altersbericht vorzulegen. Zu diesem Zweck beruft die Bundesregierung jeweils ehrenamtlich tätige Sachverständigenkommissionen, die mit unabhängigen Experten und Expertinnen besetzt werden. Die Sachverständigenkommission erstellt in meist rund zweijähriger Arbeit ihr Gutachten. Zur Unterstützung ihrer Arbeit kann die Kommission schriftliche Expertisen von anderen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern einholen oder Expertinnen und Experten zu spezifischen Fragestellungen anhören. Schriftlich erstellte Expertisen werden anschließend an die Veröffentlichung des Berichts ebenfalls veröffentlicht. Die Bundesregierung fügt dem Sachverständigenbericht ihre Stellungnahme bei und übergibt beide Teile gemeinsam als Altersbericht dem Parlament und der Öffentlichkeit.

Die Altersberichte der Bundesregierung bilden heute, neben aktuellen wissenschaftlichen Studien, anderen Berichten auf Bundesebene (z.B. Berichte der Enquete-Kommission "Demografischer Wandel", Alterssicherungsberichte, Pflegeberichte) und den Altersberichten der Länder, Kommunen und Verbände, eine der wichtigsten Quellen für die öffentliche Diskussion zu Fragen der Politik für das Alter und ältere Menschen. Die bislang erschienenen Altersberichte der Bundesregierung haben darüber hinaus zur allgemeinen Verbreitung des Wissens über Alternsprozesse und die Situation älterer Menschen beigetragen. Mit den Altersberichten wurden gesellschaftlich relevante Themen aufgegriffen, deren Bedeutung herausgestellt und die Auseinandersetzungen dazu in der (Fach-)Öffentlichkeit intensiviert und vorangetrieben. Insofern stellen die Berichte ein wichtiges Instrument der (alten-)politischen Diskursentwicklung auf allen Ebenen dar - von einzelnen engagierten Bürgerinnen und Bürgern über Verbände und Organisationen bis hin zu Kommunen, Ländern und dem Bund.

Der 1993 vorgelegte Erste Altersbericht hatte allgemeinen Charakter und zeichnete ein Gesamtbild der Lebenssituation älterer Menschen im kurz zuvor vereinten Deutschland. Der Zweite Altersbericht (1998) widmete sich dem Thema "Wohnen im Alter". Der Anfang 2001 erschienene Dritte Altersbericht enthält eine allgemeine Bestandsaufnahme der Lebenssituation Älterer (einschließlich der Entwicklung seit der Wiedervereinigung Deutschlands), entwirft Zukunftsperspektiven und gibt Handlungsempfehlungen für jene Politikfelder, die für die Lebenssituation älterer Menschen besonders relevant sind. Der Dritte Altersbericht betont die Bedeutung individueller und gesellschaftlicher Ressourcen für ein selbstständiges, aktives und produktives Leben im Alter. Der Vierte Altersbericht (2002) trägt den Titel "Risiken, Lebensqualität und Versorgung Hochaltriger - unter besonderer Berücksichtigung demenzieller Erkrankungen". Er befasst sich eingehend mit den besonderen Bedürfnissen hochaltriger Menschen mit dem Ziel, ein realistisches Bild dieses Lebensabschnitts zu zeichnen und eine Basis für zukünftig notwendige Planungen und Entscheidungen zu schaffen. Ein Schwerpunkt wurde auf die Erarbeitung von Vorschlägen zur Verbesserung der Versorgungssituation Demenzkranker gelegt. Der Fünfte Altersbericht (2006) trägt den Titel "Potenziale des Alters in Wirtschaft und Gesellschaft - Der Beitrag älterer Menschen zum Zusammenhalt der Generationen". Im Zentrum des Berichts stehen die Potenziale älterer Menschen, die in den Feldern Erwerbsarbeit, Bildung, Einkommenslage, Seniorenwirtschaft, Familie und private Netzwerke, Engagement und Teilhabe sowie für ältere Migrantinnen und Migranten untersucht werden. Der im Dezember 2010 veröffentlichte Sechste Altersbericht "Altersbilder in der Gesellschaft" zeigt, dass die dominierenden Altersbilder in zentralen Bereichen der Gesellschaft der Vielfalt der Lebensstile und Lebensumstände im Alter häufig noch nicht gerecht werden. Der Bericht soll eine öffentliche Debatte über angemessene Altersbilder anregen; gleichzeitig lädt er dazu ein, über die eigenen Altersbilder nachzudenken.

Der Siebte Altersbericht (2016) trägt den Titel "Sorge und Mitverantwortung in der Kommune - Aufbau und Sicherung zukunftsfähiger Gemeinschaften"; er zeigt auf, welche Rolle die Kommunen für die Gestaltung des Lebens im Alter einnehmen können und einnehmen sollten. In diesem Bericht wird analysiert, welche Folgen die zum Teil großen Unterschiede zwischen Kommunen und Regionen, aber auch die sozialen Unterschiede innerhalb der Gruppe der älteren Menschen für das Leben im Alter haben. In ihren Empfehlungen fordert die Sachverständigenkommission den Bund und die Länder dazu auf, die Kommunen zu stärken und sozialer Ungleichheit entgegenzuwirken. Sie plädiert für mehr Kooperation und Vernetzung in den Handlungsfeldern, die für ältere Menschen besonders bedeutsam sind (etwa Gesundheit, Sorge und Pflege, Wohnen sowie Mobilität). Seit seiner Veröffentlichung im November 2016 hat der Siebte Altersbericht den Anlass für zahlreiche Konferenzen, Tagungen und Workshops gegeben. Viele Kommunen, Verbände, kirchliche und politische Organisationen, Netzwerke und Seniorenorganisationen haben sich bereits mit seinen Botschaften und den Empfehlungen befasst.

Die bisher veröffentlichten Altersberichte der Bundesregierung sind für Privatpersonen in gedruckter Form kostenpflichtig über den Bundesanzeiger Verlag (telefonisch 0800-12 34 339) zu bestellen. Behörden und Institutionen erhalten die Berichte in gedruckter Form auch bei der Publikationsstelle der Bundesregierung (telefonisch 01805-77 80 90, Fax: 01805-70 80 94, Email: publikationen@bundesregierung.de). Zusätzlich sind die Berichte als kostenlose Downloadversion verfügbar; die Links zu den jeweiligen Altersberichten finden Sie in der untenstehenden Liste.

Zum Sechsten und Siebten Altersbericht gibt es zudem zusammenfassende Broschüren. Diese Broschüren und die Altersberichte können über die folgenden Links abgerufen werden:

 

Download der Altersberichte und Broschüren